Wer seine Fenster gegen Aufhebeln sichern will, muss sie nicht austauschen. Bei vielen Kunststoff- und Holzfenstern lässt sich die Pilzkopfverriegelung nachrüsten: Die einfachen Rollzapfen am Flügel werden gegen Pilzkopfzapfen getauscht, die Schließteile am Rahmen gegen Sicherheitsschließbleche aus Stahl. Der Beschlag bleibt, das Fenster bekommt den Schutz, den neue Fenster ab Werk haben.
Geht das an meinem Fenster?
Nachrüsten lohnt und gelingt, wenn drei Voraussetzungen erfüllt sind:
- Dreh-Kipp-Beschlag eines gängigen Systems: Die Zapfen sitzen auf einer Treibstange, die sich tauschen oder umbauen lässt. Bei sehr alten oder exotischen Beschlägen gibt es keine passenden Pilzkopfzapfen.
- Stabiles Profil: Kunststofffenster brauchen eine Stahlarmierung im Rahmen, in der die Schrauben der Schließbleche halten. Holzfenster brauchen ausreichend Fleisch im Falz.
- Intakter Flügel: Ein verzogener Flügel oder ein ausgerissenes Getriebe wird durch neue Zapfen nicht sicherer.
Passt eine der Bedingungen nicht, sind aufschraubbare Zusatzsicherungen nach DIN 18104-1 die Alternative; sie werden außen auf Flügel und Rahmen montiert.
Was der Unterschied bewirkt
Ein Rollzapfen läuft nur hinter eine Kante. Unter Hebeldruck biegt sich der Flügel, der Zapfen rutscht ab, das Fenster ist offen. Ein Pilzkopfzapfen greift mit seinem breiten Kopf hinter die Hinterschneidung im Sicherheitsschließblech, Flügel und Rahmen sind formschlüssig verbunden. Ein Werkzeug findet dann keinen Spalt mehr, an dem es ansetzen könnte. Beschläge, die so nachgerüstet werden, sind nach DIN 18104-2 geprüft.
Nachrüsten in fünf Schritten
- Bestand aufnehmen: Fensterflügel öffnen, Zahl und Lage der vorhandenen Zapfen notieren, Beschlaghersteller am Getriebe oder an der Ecke ablesen.
- Teile bestimmen: je Zapfen ein Pilzkopfzapfen und ein Sicherheitsschließblech passend zu Profil und Falzluft; an den Ecken zusätzliche Punkte, wo der Beschlag das zulässt.
- Zapfen tauschen: Je nach System werden die Zapfen auf die Treibstange gesteckt oder geschraubt, bei manchen Beschlägen wird das Eckumlenkungs- oder Mittelverschlussteil getauscht.
- Schließbleche setzen: alte Schließteile abschrauben, Sicherheitsschließbleche mit den beiliegenden Schrauben durch die Stahlarmierung schrauben.
- Einstellen und prüfen: Fenster schließen, Griff drehen, auf Leichtgängigkeit und Anpressdruck prüfen, Zapfen bei Bedarf nachjustieren.
Was dazugehört
Die Pilzkopfverriegelung ist der wichtigste, aber nicht der einzige Baustein. Ein abschließbarer Fenstergriff verhindert, dass der Griff durch eine gebohrte Öffnung von außen gedreht wird. Erdgeschossfenster und Fenstertüren profitieren zusätzlich von einbruchhemmendem Glas. Teile für die Nachrüstung sammeln wir in der Kategorie Pilzkopfverriegelung; für Haustüren gibt es die Mehrfachverriegelung mit Haken und Bolzen.
Häufige Fragen
Kann ich eine Pilzkopfverriegelung selbst nachrüsten?
Mit etwas Geschick ja, wenn der Beschlag ein gängiges System ist und die passenden Teile vorliegen. Entscheidend ist, dass die Schließbleche in der Stahlarmierung verschraubt werden, nicht nur im Kunststoff.
Wie viele Pilzköpfe braucht ein Fenster?
Mindestens an jeder Ecke einen, bei hohen oder breiten Flügeln zusätzliche in der Mitte. Je gleichmäßiger die Punkte verteilt sind, desto weniger lässt sich der Flügel an einer Stelle aufbiegen.
Wird mein Fenster dadurch RC2?
Nicht automatisch. Die Widerstandsklasse wird für das ganze Fenster geprüft, mit Profil, Glas, Griff und Einbau. Nachgerüstete Pilzkopfbeschläge nach DIN 18104-2 erhöhen den Schutz aber deutlich.
Was ist der Unterschied zur Mehrfachverriegelung an der Tür?
Das Prinzip ist dasselbe, mehrere Verriegelungspunkte über die ganze Höhe. An der Haustür übernimmt eine Stulpschiene mit Haken oder Bolzen die Aufgabe, beschrieben unter Mehrfachverriegelung für die Tür.
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